10 Fragen an Thomas Loscher

Redaktion: Thomas, du bist seit der Wahl von Sven Leichner zum Ortsbeauftragten dessen Stellvertreter. Wurdet ihr gemeinsam gewählt?

„Nein und Ja. Gewählt wird immer nur der Ortsbeauftragte - alle anderen werden von ihm ernannt. Sven hat aber schon vor der Wahl gesagt, dass ich sein Stellvertreter werde, sollte er Ortsbeauftragter werden. Insofern wusste jeder, der Sven gewählt hat, dass er mich mit wählt."

Redaktion: Was sind Deine Hauptaufgaben als Stellvertreter?

„Zunächst bin ich Leiter des OV Stabes. Das bedeutet, dass zum Beispiel der Schirrmeister, der Jugendbetreuer oder der Ausbildungsbeauftragte mir unterstellt sind. Zudem vertrete ich unseren Ortsbeauftragten in dessen Abwesenheit, das heisst, dass ich bei fast allen Angelegenheiten in unserem Ortsverband irgendwie involviert bin."

Redaktion: Gibt es bei der Stellvertretung Einschränkungen?

„(lacht) Offiziell nein. Aber ich treffe natürlich keine Personal- oder Finanzentscheidung ohne mich vorher mit Sven abzustimmen.“

Redaktion: Gelingt das immer?

„Bisher ist uns das immer gelungen. (kurze Pause) Sollte es aber mal so sein, dass ich Entscheidungen treffen muss ohne dass wir uns vorher abstimmen konnten, sehe ich da auch kein Problem, denn wir vertrauen uns blind."

Redaktion: Du warst zuvor Zugtruppführer im Technischen Zug. Provokant gefragt: Hattest du keine Lust mehr auf den aktiven Dienst? 

„(lacht) Manchmal glaube ich, dass ich heute aktiver bin als damals. Aber ganz im Ernst: Es war 2011 eine besondere Situation als der Ortsverband eine neue Führung brauchte. Sven und ich hatten viele Gespräche im Vorfeld geführt und wir haben schnell gemerkt, dass wir uns gut ergänzen. Letztendlich hat mich die Funktion sehr gereizt und wir waren uns einig, dass mit Andreas Fräbel ein kompetenter Nachfolger für mich bereit stand und somit die Lücke im Technischen Zug schnell geschlossen werden kann."

Redaktion: Was ist denn heute Deine Rolle bei Einsätzen?

„Zuallererst übernehme ich die Leitung des LuK Stabes, wenn dieser einberufen wird. Das bedeutet, dass ich den Einsatz quasi aus der Ferne leite. Bei besonderen Ereignissen wie zum Beispiel im Hochwasser dieses Jahr, kann es aber auch sein, dass ich direkt mit in den Einsatz vor Ort fahre. Hier kommt mir natürlich meine Vorerfahrung aus dem TZ zugute." 

Redaktion: Die Bereiche Jugend und Ausbildung gehören ja auch in dein Gebiet. Wie schaffst Du es in jedem Bereich den Überblick zu behalten? 

„Indem ich den Leuten die wir eingesetzt haben auch das entsprechende Vertrauen entgegenbringe. Ich finde wir sind gerade in diesen Bereichen sehr gut aufgestellt. Wir haben mit Simon einen Ausbildungsbeauftragten der wirklich Spaß und Interesse an der Funktion hat. Und mit Marc-André einen Jugendbetreuer, der dies schon jahrelang in anderen Organisationen gemacht hat. Wir haben die Jugend ja sogar noch verstärkt und haben jetzt mit Nico den Bezirksjugendleiter bei uns und mit Tanja eine Betreuerin, die jahrelange Erfahrung in der THW Jugendarbeit hat. (überlegt kurz) Es ist einfach wichtig, dass die Funktionen bei uns auch einen Spielraum haben, in dem sie sich ausleben können. Ich tausche mich natürlich mit allen regelmäßig aus und bespreche die Strategien des Ortsverbandes mit ihnen, aber aktiv eingreifen in ihre Arbeit tue ich fast nie und musste ich bisher auch nicht."

Redaktion: Zu etwas anderem: Wo siehst Du die größten Aufgaben für den Ortsverband in der nahen Zukunft? 

„(überlegt) Wir müssen weiter die Einsatzbereitschaft sicherstellen und das bedeutet, dass wir weiterhin viel in die Ausbildung der vorhandenen Helfer und den Nachwuchs investieren müssen. Mit Nachwuchs meine ich nicht nur die Junghelfer die wir heute schon haben, sondern auch neue Helfer, die wir für das THW begeistern wollen. Wobei wir als Führung den Grundsatz vertreten, dass Helfer binden wichtiger ist als Helfer finden. Das bedeutet nicht, dass wir keine neuen Helfer wollen, aber es ist wichtig für uns, dass wir uns vor allem um diejenigen kümmern, die schon da sind - und das vielfach seit etlichen Jahren."

Redaktion: Wie kann dies konkret geschehen?

„Wir wollen mehr sein als "nur" das THW. Wir sehen unseren Auftrag umfangreicher. Im Jahr 2012 zum Beispiel haben wir die Stadtgespräche eingeführt und sind mit den Helfern zu Besichtigungen gefahren oder haben gemeinsam die Fussball Europameisterschaft geschaut. Aber wir haben auch durch gezielte Ausbildungen und mehr Transparenz einigen Helfern neue Chancen gegeben. Die Lehrgangsteilnahmen steigen seit Jahren an. Dieses Jahr haben wir den ersten Helfer in der Geschichte des Ortsverbandes der in die SEEBA aufgenommen wurde und dort nun ein Jahr probehalber tätig ist. Und sogar jetzt während wir hier sprechen ist einer unserer Helfer bei einer Fahrzeugüberführung für das THW in Genua. Ich denke wir zeigen mehr denn je, was das THW für Möglichkeiten bietet."

Redaktion: Als Abschlussfrage: Kannst Du dir vorstellen auch irgendwann mal Ortsbeauftragter zu werden?

„(lacht) Das fragt Sven auch immer. Stand heute ist, dass es keinen Grund gibt, sich damit zu befassen. Die nächsten Vorschlagswahlen sind 2016 und damit erst in ein paar Jahren. Würde ich mich heute entscheiden müssen, würde ich aber wohl eher ablehnen."

 

Das Interview wurde am 27. Oktober 2013 geführt